Das Gymnasium am Hoptbühl versorgt sich seit 20 Jahren mit Öko-Strom

Ab 1. Januar 2022 gilt für alle Neubauten in Baden-Württemberg die Pflicht, dass auf dem Dach mindestens eine Fotovoltaik-Anlage zur Erzeugung von regenerativem Strom installiert werden muss. Am Gymnasium am Hoptbühl wird bereits seit Juli 2001 mittels verschiedener Fotovoltaik-Anlagen auf dem Flachdach Strom erzeugt. Mit diesen Anlagen mit einer Gesamtleistung von 11KW kann nicht nur der Gesamtbedarf der Schule gedeckt werden, sondern es werden viele weitere Haushalte der Stadt Villingen-Schwenningen mit Strom versorgt. So können, wenn die Sonne am Tag fünf Stunden voll scheint, 55 Kilowattstunden grüner Strom erzeugt werden.
1999 hat sich in Villingen-Schwenningen der Verein „renergie VS“ gegründet mit dem Ziel vor Ort aus Sonnenkraft Strom zu gewinnen. So sind auf Initiative von Hermann Krafft, seiner Zeit Lehrkraft am Gymnasium am Hoptbühl, zunächst Spendengelder gesammelt worden, um eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach des Gymnasiums konstruieren zu können. Mit finanzieller und ideeller Unterstützung der Stadtwerke VS, der Stadt Villingen-Schwenningen, des BUND, der Partei „DIE GRÜNEN“ und zahlreicher Einzelspenden von Mitwirkenden an der Schule selbst konnte am 19. Juli 2001 eine mehrteilige Anlage in Betrieb genommen werden. Seitdem wird auf dem Dach des Gymnasiums am Hoptbühl grüner Strom produziert. Die Anlage ist im Laufe der Jahre immer wieder erweitert und optimiert worden. Es sollte der Beweis erbracht werden, dass es möglich ist mit Sonnenkraft ökologisch verträglich und ökonomisch rentabel dezentral Energie zu gewinnen. Rüdiger Eichert hat als Vorsitzender des Vereins „renergie VS“ das Projekt wissenschaftlich begleitet. Der Versuch ist gelungen: seit 2017 ist die Anlage auf dem Dach des Gymnasiums am Hoptbühl abbezahlt und erwirtschaftet Gewinn. Mit Hilfe des EEG (Erneuerbare Energien-Gesetz), welches von der ersten rot-grünen Bundesregierung in Deutschland 1999 auf den Weg gebracht wurde, hat der Verein 50 Cent pro kwh an Einspeisevergütung von den Stadtwerken für den Strom erhalten. So konnte bis zum 20. Geburtstag der Anlage ein profitabler Reingewinn erzielt werden. Der Geburtstag wurde am 19. Juli 2021 auf der Dachterrasse des Gymnasiums am Hoptbühl gefeiert. Die amtierende Schulleiterin des GaH, Frau Simone Duelli-Meßmer, hatte die Beteiligten zu selbst gepresstem Apfelsaft und Blätterteigtaschen eingeladen. Anwesend waren u.a. Angie-Diane Manton (BUND-Regionalgeschäftsführerin), Thomas Schalk (Leiter der Öko-AG der Schule) und Hermann Krafft (Vertreter von renergie e.V.) (siehe Foto von links nach rechts).
Ein Teil des Gewinns wird in Umweltprojekte an der Schule unter Leitung von Thomas Schalk reinvestiert. Durchschnittlich verbraucht das Gymnasium am Hoptbühl 200.000 kwh Strom pro Jahr, das sind ca. 5% von dem Strom, der auf dem Dach des Hauptgebäudes erzeugt wird. Dabei ist der Platz auf dem Dach des Hauptgebäudes der Schule noch lange nicht ausgeschöpft. Auf der Turnhalle haben die Stadtwerke in der Zwischenzeit eine weitere Fotovoltaik-Anlage installiert, die wesentlich leistungsstärker ist, weil die Technologie in den letzten Jahren verbessert werden konnte. Die gesamte Anlage auf dem Hauptgebäude der Schule gehört seit 2020 dem BUND Regionalverband Schwarzwald-Baar-Heuberg. Nach Schätzungen von Hermann Krafft wird sie noch ca. 10 Jahre grünen Strom produzieren können, bevor sie entsorgt werden muss.
Die Stadt Villingen-Schwenningen, die sich inzwischen zur Klimaneutralität verpflichtet hat, arbeitet derzeit an einem Konzept, wie auf allen Dächern von öffentlichen Gebäuden grüner Strom erzeugt werden kann. Dieser ist in der Zwischenzeit rentabel, obwohl nur noch maximal 6 Cent pro kwh Einspeisevergütung bezahlt wird, weil die Fotovoltaik-Technologie fortgeschritten ist. In Deutschland wird derzeit im Durchschnitt 0,6 kg CO2 pro kwh Stromerzeugung ausgestoßen. Mittels Fotovoltaik kann dieser Ausstoß auf nahezu 0 reduziert und damit dem Klimawandel effektiv entgegen gewirkt werden, weil bei der Stromerzeugung weder Kohle noch Öl oder Gas zur Verbrennung benötigt wird.