Campus im Grünen

Warum eine Ökologie-AG?

Thomas Schalk

Nur wenige Schulen verfügen über ein so weitläufiges und schönes Gelände wie das Gymnasium am Hoptbühl. In den letzten Jahrzehnten haben Lehrende mit ihren Schülerinnen und Schülern daraus einen Lernort gemacht und ihn in ihren Unterricht mit einbezogen. Dabei ist gleichzeitig ein Fleckchen Natur in der Stadt entstanden, das zahlreichen Tier- und Pflanzenarten ein Auskommen bietet.

Natur meets Abitur sozusagen!

Was sagt ein Lehrer und Naturschützer dazu? Hierzu drei Beispiele:

1. Unsere Streuobstwiese

Als Lehrer liegt mir am Herzen: Unsere Schülerinnen und Schüler können unsere heimischen Obstbäume kennen lernen und haben die Entwicklung von der Blüte bis zur Frucht im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen. Wir ernten unser Obst und verwenden es im Biologie-, im NWT-Unterricht und in der Ökologie-AG. Wir stellen zum Beispiel Apfelsaft, Obstessig, und Apfelchips her.

Als Naturschützer liegt mir am Herzen: Unsere Streuobstwiese bietet vielfältige ökologische Nischen für eine artenreiche Tierwelt. Sie sind die „Savannen“ von Mitteleuropa. Weil die Bäume nicht gespritzt werden, findet sich noch eine vielfältige Insektenwelt. Diese bestäubt die Blüten oder dient Vögeln und Fledermäusen als Nahrung.

2. Nisthilfen

Als Lehrer liegt mir am Herzen: Unsere Schülerinnen und Schüler bauen Nisthilfen für Fledermäuse, Vögel und Wildbienen. Sie lernen dabei, praktisch zu arbeiten und natürlich kommt dabei die Biologie der Arten auch nicht zu kurz. Schließlich erweitern die Schüler ihre Artenkenntnis bei eigenen Beobachtungen auf dem Schulgelände.

Als Naturschützer liegt mir am Herzen: Nisthilfen können einen Beitrag zum Artenschutz in der Stadt leisten. Alt – und Totholz findet man in der Stadt selten. Deshalb werden Nistkästen von Vögeln gerne angenommen. Bei uns brüten regelmäßig Kohlmeisen, Blaumeisen und Stare in den Kästen. Die Insektennisthilfen werden von einem guten Dutzend Wildbienen- und Wespenarten genutzt wie zum Beispiel der Roten Mauerbiene oder der Hahnenfuß-Scherenbiene. Sie sind für die Schüler nicht gefährlich, weil sie nicht stechen.

3. Blühflächen

Als Lehrer liegt mir am Herzen: Die Schülerinnen und Schüler lernen die Bedeutung von Blüten in der Natur kennen. Sie können selber beobachten, was sich auf den Blüten alles tummelt, ohne weite Wege zurücklegen zu müssen. Gemulchte Rasenflächen finden sich auf unserem Schulgelände nur noch dort, wo sie als Aufenthaltsbereich regelmäßig genutzt werden.

Als Naturschützer liegt mir am Herzen: Blühflächen sind die Grundlage für Nahrungsketten in der Natur. Ohne eine Vielfalt an Pflanzen gibt es keine Vielfalt an Tieren. Rasenflächen sind artenarm, monoton und langweilig.

Lehrer und Naturschützer:

Wir möchten uns bei dem ehemaligen Lehrer des GaH Dr. Helmut Gehring ganz herzlich für die Planung und  Gestaltung des Schulgeländes sowie für die Mitarbeit bei der Pflege bedanken. Oliver Bumann, Manuel Vosseler, Herr Pfundstein und sein Späth-Team haben uns maßgeblich bei der Anlage der Blühflächen unterstützt, Frau Zeumer und die Stadt Villingen-Schwenningen beim Schmetterlingsbiotop.

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Harte Arbeit im Gemüsebeet

Neue Heimat auf dem Gelände des Gymnasiums am Hoptbühl

Erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Stadt, Schule und Naturschutz

Seit vielen Jahren lebte das Esparsetten-Widderchen auf dem ehemaligen Ford-Keller-Gelände neben dem Landratsamt in Villingen. Da hier nun ein Verwaltungsgebäude von Südwest-Metall errichtet wird, ging dieser Art der Roten Liste der bedrohten Tierarten ein weiterer Lebensraum verloren.

Auf Initiative von Thomas Schalk, Lehrer des Gymnasiums am Hoptbühl und Vorsitzender des NABU Schwarzwald-Baar, wurde der Versuch unternommen, diesen Tieren einen neuen Lebensraum zur Verfügung zu stellen und sie umzusiedeln. Dazu bot sich eine Wiese am Rand des Schulgeländes an. Die Ersatzfläche konnte letztes Jahr noch rechtzeitig angelegt und die Nahrungspflanzen für die Raupen ausgesät werden, da der Investor, die Sanierungsfirma und die Stadt Villingen-Schwenningen, vertreten durch Frau Andrea Zeumer vom Amt für Gebäudewirtschaft und Hochbau, das Projekt engagiert unterstützten. Schließlich wurden noch einige hundert Raupen abgesammelt und umgesiedelt, bevor die Bagger anrückten. 

Letztes Jahr konnten bis zu 70 Widderchen beobachtet werden. Dieses Jahr sind es sogar bereits einige hundert Tiere und viele weitere seltene Insekten- und Vogelarten profitieren von der Vielfalt an heimischen Pflanzen. Die Pflege der Fläche übernehmen die Schüler der Ökologie-AG des Gymnasiums und Mitglieder des NABU jeweils mit Unterstützung durch Thomas Schalk.

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Erfolreiche Ansiedlung am GaH Das Esparsetten-Widderchen

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Auch zu finden: Hauhechelbläulinge