Besondere Weihnachten 2020

Wort der Schulseelsorgerin

Zwei vollgepackte letzte Schultage vor dem Ende des Präsenzunterrichts, überstürzter Aufbruch- entweder in die vorgezogenen Weihnachtsferien oder für die Kursstufe ins Homeschooling mit Moodle, so gut es eben funktionierte (unterstützt durch andere Kommunikationsmöglichkeiten). Die Ereignisse überrollen uns wieder einmal und wir stehen da mit kreisenden Gedanken im Kopf und gemischten Gefühlen.

Was soll das nur für ein Weihnachten werden?! Wir sollen vorher so Vieles ausrechnen: Wie viele Personen mit welchem Verwandtschaftsgrad aus wie vielen Haushalten dürfen sich nach wie vielen Tagen (Abstand von der Schule z.B.) persönlich treffen? Schützen wir unsere Risikogruppen genügend, sprich unsere geliebten älteren Verwandten? Vergeht uns nicht die ganze Vorfreude bei diesen Rechenaufgaben, die das Leben uns dieses Jahr stellt? War es nicht absurd, dass es zwischendurch hieß, wir sollen uns mit „einem besten Freund“ begnügen? Hallo!!- wer kann sich da entscheiden?! „Die Liebe rechnet nicht aus“, heißt es doch im 1.Korintherbrief im 13.Kapitel, den wir auch im Unterricht hatten, als wir uns noch darüber unterhalten durften.  

Auch meine Familie überlegt schon länger, wie wir’s dieses Jahr an Weihnachten machen sollen, teilweise im Freien mit unseren Nachbarn auf Abstand, vielleicht wieder mit der Feuerschale wie zu Ostern beim letzten Corona-Lockdown. Auf dem Tisch neben mir liegt eine ökumenische Broschüre „Anders Weihnachten feiern- Heiligabend 2020 für Zuhause oder sonstwo- allein oder zu mehreren“. („sonstwo“ rot unterringelt, fast muss ich lachen…). Normalerweise würden wir mit der ganzen Großfamilie (fast 30 Personen) bei meiner 85-jährigen Mutter feiern, vorher Gottesdienst auf der Empore der Dorfkirche, in der ich schon getauft wurde und wo mir einer meiner zahlreichen Verwandten, die auf engstem Raum dort sitzen, seinen Platz anbietet, weil meine Familie (mit der längsten Anreise) spät kommt. Beim Schreiben überfällt mich die Sehnsucht danach, obwohl ich weiß, wie anstrengend es auch sein kann.   Vielleicht sollte ich jetzt langsam mal zu aufmunternden Worten kommen, bevor jemand aufhört zu lesen… Aber meine Sechstklässler wissen mit mir zusammen, dass „Worte der Klage“ ganz in Ordnung sind- schon in der Bibel stehen Klagepsalmen.

Aber da finden wir auch Worte der Verheißung und Zuversicht- und eben die Weihnachtsgeschichte: „Es begab sich aber zu der Zeit…“  Ich habe angekündigt, ich will sie auswendig aufsagen an Weihnachten, so wie damals als kleines Mädchen mit zwei Zöpfen- ein bisschen muss ich noch üben. Und in meinen Reli-Klassen haben wir geübt, Lukas 2 in der Bibel zu finden. Vielleicht liest sie ja tatsächlich der eine oder die andere Schüler/in zuhause an Heiligabend vor. Und das geht mehr zu Herzen, als wenn ein/e Pfarrer/in die Weihnachtsgeschichte vorträgt als Lesung in einer Kirche. Da begibt es sich auch zu unserer Zeit, dass Gott Mensch wird und sich als kleines Kind einer jungen Frau in die Arme legt, um uns nahe zu sein , um Licht zu bringen in unsere Dunkelheiten- auch im Corona-Jahr 2020. Ich grüße alle mit den Worten, mit denen ich meine letzten Stunden vor den Ferien (auch die digitalen) beendet habe (aus einem modernen Weihnachtslied, das ich auswendig im Kopf habe- ich suche noch nach der Quelle…):

Der große Gott kommt als kleines Kind zu uns in diese Welt

In Elend, Not und Menschenleid- So tief ist keine Dunkelheit

dass Gott sie nicht erhellt.

Gesegnete Weihnachten, so wie es möglich ist, wünscht von ganzem Herzen

Eure Schulseelsorgerin

Mechthild Schmidt-Keller       4. Advent 2020

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