Ein „Labyrinth von tausend Seelen" am Hoptbühl

Julian W. König spielt Hesses „Steppenwolf“

Manch einen lässt das Werk ratlos zurück, andere begeistert und fasziniert; seinen Steppenwolf gestaltete Hermann Hesse als eine literarische Reise, die von depressiven Verstimmungen der Hauptfigur Harry Haller über rauschhafte Exzesse bis hin zu einem großen aber rätselhaften Finale reicht.

Am Hoptbühl-Gymnasium gastiert ein dieser Woche das THEATERmobileSPIELE aus Karlsruhe und spielte für die Schüler der Klassenstufe 12 das Werk des Nobelpreisträgers, das als „Sternchenthema“ im Unterricht gelesen wird.

Harry Haller, der Protagonist des „Steppenwolf“, kämpft mit seiner gespaltenen Existenz, kämpfen in ihm doch Wolf und Mensch gegeneinander. Auf der Suche nach seiner Persönlichkeit durchläuft Haller die unterschiedlichsten Gefühle und trifft dabei auf rätselhafte Unterstützer.

In seiner nicht-öffentlichen Ein-Mann-Vorstellung schafft es der Schauspieler Julian W. König, den Menschen und den Wolf in Haller zu verkörpern. Für Überraschung sorgt der per Videoanimation eingespielte fiktive Herausgeber von Hallers Aufzeichnungen, der das Handeln der Hauptfigur kommentiert. Auch weitere Figuren treten auf diese Weise auf:  Hermine, Hallers Spiegelbild und gleichzeitig Gegenpart, Maria, seine spätere Geliebelte, und Pablo, der Saxophonspieler, versuchen ihm zu zeigen, was alles in ihm schlummert. König verkörpert all diese Figuren in personam.

Dabei braucht er nicht viel auf der Bühne, die weiß gehalten ist: Eine Blume, die das Bürgerliche symbolisiert, eine Flasche, die Hallers Abkehr von der Welt darstellt, Spiegel, die das Magische Theater andeuten, in das Haller am Ende eintritt. Auch der kopflose Körper eines Wolfes ist allgegenwärtig auf der Bühne zu sehen, sowie der Kopf des Wolfes, der vom Garderobenständer den ständigen Zwiespalt zwischen Mensch und Wolf versinnbildlicht.

König macht das Stück durch seine eindringliche Stimme und Stimmvielfalt lebendig und überrascht immer wieder mit unerwarteten Gefühlsausbrüchen, die viele Schüler mitreißen und dem schwierigen Stück Bilder verleihen, die im Kopf haften können. Wie viel neue Fragen dabei für Hesses Stück aufgeworfen werden, zeigen die vielen Fragen, die das Publikum dem Künstler im Anschluss stellt.

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