Zwei Mal begeistertes Publikum

Kursstufenschüler inszenieren „1000 Straßen – Ein Reigen vom Kommen und Gehen“

Richard spaziert mit Claudia durch die Nacht und gerät ob des Sternenhimmels ins Schwärmen. Sie ist gleichzeitig in Gedanken versunken und denkt über eine Trennung nach. Beate eröffnet ihrer Mitbewohnerin, die gleichzeitig ein Kind mit Beates Mann hat, dass diese aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen muss. Die Erinnerungen an ihre Vertreibung am Ende des Zweiten Weltkriegs halten eine alte Frau gefangen.

Im Theaterstück„1000 Straßen – Ein Reigen vom Kommen und Gehen“ von Coralie Wolff sind es solche kleinen Szenen, die einander umkreisen, in Verbindung miteinander treten und sich überlagern. Gespielt wurde das Stück am vergangenen Wochenende vom Kurs Literatur und Theater, der am Hoptbühl-Gymnasium in Kooperation mit dem St. Ursula-Gymnasium geführt wird.

Das Stück hatte viel zu bieten. Einige der Figuren haben ihre Heimat verloren, andere wollen sie dringend loswerden. Manche suchen Dinge im Außen, andere etwas in sich. Einige werden mit unlösbaren Aufgaben konfrontiert, anderen eröffnen sich unerwartete Chancen. Kurz: es ging um das Leben mit all seinen Abzweigungen und Sackgassen, Überholspuren und Schleichwegen.

Das war es auch, was den Kurs dazu bewog, sich ein Schuljahr lang mit genau diesem Stück auseinanderzusetzen. Das Besondere dabei: Die Schülerinnen und (ein) Schüler entwickelten das Stück in eigener Regie. Das bedeutet, dass sie von der Auswahl des Stückes über die Dramaturgie bis zur Gestaltung der Bühne selbst Verantwortung für die Produktion übernehmen mussten. Lediglich dort, wo die Schüler allein nicht weiterkamen, wurden sie von der erfahrenen Theaterlehrerin Ulrike Merkle unterstützt, die auf besondere Weise mit dem Reigen verbunden war. „1000 Straßen“ war die letzte Theaterproduktion der Lehrerin am GaH. Am Ende des Schuljahres wird sie in den Ruhestand verabschiedet.

Zu Beginn der Auseinandersetzung mit dem Stück stand viel Improvisation. So  konnten die Gruppe Ideen zum Stück sammeln und herausfinden, welche Rolle zu welcher Person passt. Über Rolleninterviews wurde dann an den Figuren gearbeitet. „Für viele von uns war es anfangs schwer, sich in eine andere Rolle einzufinden, weil nicht alle von uns schon Theatererfahrung hatten“, erklärt die Gruppe. Je länger die Beschäftigung allerdings andauerte, desto vertrauter wurden die Schauspieler mit ihren Rollen. Auch der Bühnenraum wurde in dieser Zeit nach und nach erschlossen, Requisiten ausgewählt, Musik ausprobiert.

Am Abend der Premiere war davon nach außen nichts zu spüren. Routiniert wurden Rollen eingenommen, Dialoge geführt und die minimalistische Bühne für die nächste Szene umgestaltet. Immer wieder bereicherten verschiedene Rollensplittings, chorische Plateaus andere theatrale Gestaltungsmittel das an sich schon abwechslungsreiche Stück.

An besonderem Spielort fand auch die zweite Vorstellung am Sonntag ein begeistertes Publikum. Im Pavillon des Villinger Kurgartens verfolgten 60 Zuschauer bei toller Atmosphäre das „Kommen und Gehen“.

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