Siegerprämierung beim Schreibwettbewerb am GaH
„Das ist illegal!“, flüstert Theo. „Das ist abenteuerlich!“, gibt Matti grinsend zurück. Zwei Jungen machen sich während eines Schultags auf den Weg nach Stuttgart. An anderer Stelle turnen Schülerinnen und Schüler auf dem Schuldach herum, während die Lehrkräfte nur noch chillen. Ein geheimnisvolles Kästchen schleudert eine Figur in die Steinzeit. Erinnerungsfetzen führen zurück zu einer Party in Spanien, einem Auto, einem Knall. Und ein Neurochip, der den Menschen eigentlich optimieren soll, stellt den Menschen selbst infrage - So vielfältig und mutig waren die Texte, die beim diesjährigen Schreibwettbewerb „Bunte Feder“ am GaH eingereicht wurden. Thema in diesem Schuljahr „entgrenzt – grenzenlos“.
Zur Auswahl standen verschiedene Schreibimpulse: Bildinspirationen, der Titel „Der Tag, an dem es keine Regeln gab“, das Thema „Liebe kennt keine Grenzen“, eine Reportage über Grenzüberschreitungen sowie ein literarisches Experiment rund um einen Neurochip.
Die Jury bestimmte Stufen- und Schulsieger und hatte besonders in der Mittelstufe keine leichte Aufgabe: Dort gab es die meisten Einreichungen, viele Texte lagen qualitativ eng beieinander. In der Unterstufe überzeugten vor allem fantasievolle Geschichten. Besonders stark war eine kurze Zeitreisegeschichte: Ein Ich-Erzähler entdeckt in den Ferien ein kleines Kästchen seines Onkels. Natürlich gibt es eine Warnung, die Knöpfe nicht zu benutzen – und natürlich wird genau das getan. Plötzlich findet sich die Hauptfigur in der Steinzeit wieder. Sprachlich beeindruckte der Text unter anderem mit der Beschreibung einer Angst, die sich mit „grässlichen Widerhaken“ ins Herz gräbt. Mutig: Das offene Ende: Wohin verschwindet die Figur, als sie nach einem ersten Ausflug erneut den Knopf drückt? Autorin Luisa Schnerch gewann damit den ersten Preis in ihrer Stufe.
In der Mittelstufe zeigte sich die größte Bandbreite. Mehrere Texte griffen das Motiv eines Tages ohne Regeln auf, doch auch düstere und existenzielle Themen fanden ihren Platz. Erschreckend aktuell eine Geschichte, in der ein Ex-Freund nicht von seiner einstigen Partnerin ablässt. Dramatischer Höhepunkt, ein beklemmendes erzähltes und brutal endendes Aufeinandertreffen in der nächtlichen Stadt. Anne Thöres konnte sich damit gegen die starke Konkurrenz durchsetzen.
In der Oberstufe überzeugte unter anderem eine moderne Kurzgeschichte, die ohne lange Einleitung direkt mitten im Geschehen beginnt: Erinnerungen an Ferien, eine Party in Spanien, ein Auto, ein Knall – dann das Krankenhaus. In wenigen Strichen entsteht eine schmerzhafte Geschichte, die nachwirkt. Der Stufensieg ging an eine eindrucksvolle Zukunftsgeschichte zum Neurochip-Impuls: Erzählt wird von einer Wissenschaftlerin, die ihrer Tochter einen Chip einsetzen lassen will, um einen optimierten Menschen zu erschaffen: effizienter, leistungsfähiger, entgrenzt. Doch der Plan kippt ins Bedrohliche. Am Ende richtet sich die Logik der Optimierung gegen den Menschen selbst. Der Text verbindet Science-Fiction mit einer beklemmenden Frage: Was bleibt vom Menschlichen, wenn der Mensch nur noch nach Effizienz bewertet wird? Mit ihrer intensiv erzählten Geschichte gewinnt Sonja Stein auch den Schulsieg.
Wir gratulieren allen Stufen- und Schulsiegerinnen und -siegern herzlich und danken allen Teilnehmenden für ihre kreativen, mutigen und sprachlich starken Beiträge zur „Bunten Feder“.
