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'Neue Medien – Faszination und Suchtgefahr'

Online-Vortrag mit Pia Wenzler 

Zu einem Online-Vortrag mit Pia Wenzler von der Fachstelle Sucht VS hatte das GaH am 10. Mai 2021 das Gymnasium am Hoptbühl interessierte Eltern eingeladen.

Aufgrund der derzeitigen Situation fand die Veranstaltung über die Plattform Zoom statt. So konnte man dem Vortrag sicher von zu Hause aus folgen. Außerdem ermöglichten interaktive Elemente wie anonyme Umfragen oder Eintragungen auf digitalen Pinnwände sich aktiv einzubringen und zu sehen, wie unterschiedlich und häufig die modernen Medien in den Familien genutzt werden.

Entsprechend war die Erkenntnis nicht überraschend, dass die Geräte täglich viele, viele Stunden im Einsatz sind – und das sowohl bei den Kindern und Jugendlichen als auch bei den Erwachsenen.

Gerade in Zeiten des Fern- und Wechselunterrichts, wo Kinder und Jugendliche sehr viel vor dem Bildschirm sitzen, fällt es den Eltern mitunter schwer, über die Zeitdauer, die ihre Kinder tatsächlich vor dem Computer oder dem Tablet bzw. am Smartphone verbringen, den Überblick zu behalten.

Arbeitet der Sprössling jetzt wirklich so viele Stunden „für die Schule“ oder muss das Handy tatsächlich den ganzen Tag in Griffweite liegen, um Mitteilungen über den Schul-Messenger zu bekommen? Das unbegrenzte Angebot des Internets und permanente Nachrichtenfluss aus dem Social Media-Bereich ist bekanntlich eine verlockende Ablenkung und willkommene Abwechslung für viele Kinder und Jugendlichen, so dass sich die Bildschirmzeit auch deshalb während der Pandemie extrem stark erhöhte. Eine besondere Rolle kommt dabei dem Smartphone zu, welches durch den ‚Internetzugang in der Tasche‘ das am häufigsten genutzte elektronische Gerät überhaupt geworden ist und sich nicht selten 7 x 24 Stunden in Griffweite befindet.

Was aber macht nun die neuen Medien so attraktiv für Kinder, dass sie regelmäßig ihr Handy zur Hand nehmen? Zum einen ist das der Druck, nichts verpassen und somit ständig erreichbar sein zu wollen. Sie sähen sich einem Gruppenzwang ausgesetzt und müssen dann den unzähligen Nachrichten in den Klassengruppen folgen, damit sie mitreden können. Die Attraktivität der Mobiltelefone liege bei Mädchen eher darin, die sozialen Kontakte zu pflegen und auch eher Spiele zu spielen, die ein Sozialverhalten förderten. Die Jungs pflegen ihre Kontakte eher, indem sie sich bei Onlinespielen „träfen“ um sich dort miteinander zu messen.

Pia Wenzler erläuterte, wie wichtig es ist, dass Eltern die Bildschirmzeit der Kinder begrenzen und gleichzeitig alternative Freizeitaktivitäten fördern bzw. anbieten – soweit es eben zurzeit möglich ist. Die Kinder bräuchten Regeln und zeitliche Vorgaben, die alters- und situationsgemäß immer wieder besprochen und angepasst werden sollten. Ein Fünftklässler sei natürlich anders zu behandeln als seine älteren Geschwister. Eine Möglichkeit wäre dabei, gemeinsam mit den Kindern einen ‚Mediennutzungsvertrag‘ abzuschließen, an den sich auch die Eltern zu halten hätten. Anschaulich wies die Referentin dabei auf die Vorbildfunktion der Eltern hin: Wenn Eltern während des gemeinsamen Essens auf einen Bildschirm guckten, wäre es schwer, von den Kindern etwas Anderes zu erwarten. Wenn sie aber umgekehrt vorleben, dass man zu gewissen Zeiten problemlos auch ohne Fernseher und Smartphone auskommen und diese genießen bzw. aktiv/kreativ nutzen kann, dann fällt es den Kindern leichter, ebenfalls einen bewussten und gesunden Umgang mit digitalen Medien zu entwickeln.

Wichtig sei dabei, mit dem Kind im Gespräch zu bleiben und zu hinterfragen, ob das Kind lediglich fasziniert von dem Medium sei, oder ob es sich schon um ein ausgeprägtes Bedürfnis handle, wenn es zum elektronischen Gerät greift.  Man solle Interesse an dem zeigen, was das Kind damit macht und beobachten, ob es zu Wesensveränderungen beim Kind kommt. Fühlt es sich beispielsweise unwohl, wenn es keine Medien nutzen kann? Im gemeinsamen Gespräch solle man auch die Medienkompetenz der Kinder stärken, indem man durch Hinterfragen einen kritischen Blick auf die Medienwelt wirft, den der Kinder schärft und auch auf mögliche Gefahren im Web hinweist. Pia Wenzler nannte hier zum Beispiel die Scheinwelt, in der sich Influencer und Youtuber bewegen, die die jungen Menschen häufig fesseln, die aber nicht selten auch negative Empfindungen gegenüber seinem Körper und der eigenen, vermeintlich langweiligen Lebensweise hervorrufen.

Doch spätestens ab der Pubertät ist es schwierig hier enge Vorgaben zu machen und es stellen sich Eltern dann nicht selten die Frage: Ist das schon ein problematisches Nutzungs- oder gar Suchtverhalten und was kann ich jetzt tun? Nun, Medienabhängigkeit zeige sich unter anderem darin, dass ein Mensch keine Kontrolle über das Ausmaß seines Nutzungsverhalten mehr habe bzw. den hohen Medienkonsum leugne, dass sich die Tagesstruktur verändere (d.h. bis tief in die Nacht spielen und bis mittags schlagen), dass er sich nicht an Vereinbarungen halte und in der Folge schulische/berufliche Pflichten und soziale Kontakte vernachlässige. Flüchtet sich die/der Jugendliche geradezu in Medienwelten und taucht völlig ab, dann könnten gravierende Probleme oder Konflikte in Schule oder Freundeskreis dahinterstecken. Hier ist es wichtig, im Kontakt mit dem Kind zu bleiben, aber auch sich professionelle Beratung und Unterstützung, beispielsweise in der Fachstelle Sucht VS, zu holen.

In der abschließenden Fragerunde betonte Pia Wenzler, wie wichtig es ist, dass man den Heranwachsenden in der Schule wie auch im Elternhaus einen guten, aber auch kritischen Umgang mit den neuen Medien vermittelt. „Die neuen Medien bieten enorm viel Chancen und Möglichkeiten, diese im positiven Sinne zu nutzen. Jedoch gibt es eben auch Risiken und Nebenwirkungen, die man stets mit im Auge haben sollte“, ergänzte die für Medienprävention zuständige Lehrkraft Jutta Schröder, die diese Veranstaltung organisiert hat. Aus diesem Grund werden problematische Aspekte der Mediennutzung am Hoptbühlgymnasium zum einen im verstärken Medien- wie auch im Fachunterricht immer wieder thematisiert. Zum anderen finden in bestimmten Stufen zusätzlich spezielle Veranstaltungen, beispielsweise der gleichnamige Schülerworkshop ‚Faszination und Suchtgefahr‘ oder ein Workshop gegen Cybermobbing, statt. Die in diese ‚Erziehungsarbeit‘ investierte Zeit und Mühe zahle sich auf jeden Fall aus - davon sind sie beide überzeugt.

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