Mit vollen Lungen für Demokratie und das Saxofon

Prof. Dr. Ulrich Eith bei „Bühne frei für Ehemalige“
„Demokratie ist anstrengend und frustrierend!“ - Nach Werbung für unsere Staatsform klingt das zunächst nicht. Genau das aber machte Professor Dr. Ulrich Eith bei seinem Besuch an seiner alten Schule einen halben Abend lang. In der anderen Hälfte zeigte der ehemalige Schüler, dass er nicht nur Politik vermitteln, sondern mindestens ebenso gut Saxophon spielen kann.
Zum zweiten Abend der Veranstaltungsreihe „Bühne frei für Ehemalige“ war die Aula gut gefüllt. Der Politikwissenschaftler der Universität Freiburg zog mit seinem Vortrag viele ehemalige Lehrer in die Schule zurück. Auch viele Schülerinnen und Schüler der Kursstufe, die sich im Unterricht mit den Themen des Vortrags „Rechtspopulismus und Verschwörungserzählungen“ beschäftigt hatten, füllten die Aula.
Ulrich Eith erläuterte zunächst die Ursachen für Rechtsextremismus. Gruppenprozesse spielten dabei eine wichtige Rolle, wie er an einem anschaulichen und amüsanten Beispiel vorführte. Auch habe Rassismus häufig mit Unsicherheiten und Ängsten zu tun und mit dem Gefühl benachteiligt zu werden. Wo Eith theoretischer wurde, ließ er gleichzeitig nicht die Anschaulichkeit vermissen. So etwa, als er an Beispielsätzen wie „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“ die Begriffe Gemeinschaft und Gesellschaft reflektierte. Während sich Rechtsextreme vielfach auf eine geschlossene Gemeinschaft mit einer wie auch immer gearteten Identität beriefen, bestehe Gesellschaft aus unterschiedlichen Gemeinschaften. Aufgabe dieser sei es, nach Ausgleich und Spielregeln zu suchen. Die Grundlage für alle sei jedoch immer die Rechtsstaatlichkeit. Anschaulich und nahbar erläuterte er auch die Wichtigkeit der Diskussionskultur und ihre veränderten Bedingungen in der heutigen medial vernetzten Welt. Über die Erzählungen Rechtsextremer lenkte Ulrich Eith auf den zweiten Teil seines Vortrags über: Dass er ungern von „Verschwörungstheorien“ spricht, machte er dabei gleich zu Beginn klar. Eine Theorie sei etwas, dass sich an der Realität messen lassen müsse und sich gegebenenfalls auch als falsch herausstellen könne. Das sei für Menschen, die Verschwörungserzählungen verbreiten, jedoch keine Option. Daher liege für ihn der Begriff „Verschwörungserzähler“ oder „Verschwörungsmythologen“ näher.
Wie nah Ulrich Eith seinen Zuhörern mit seinem Thema gekommen war, zeigte sich in der anschließenden Fragerunde. Viele Schülerinnen und Schüler brachten sich mit wichtigen und teilweise persönlichen Fragen ein. Wie geht man mit Rechtsextremismus in der eigenen Lebenswelt um? Was könne man dagegen tun? Kann man mit Verschwörungstheoretikern reden?
Die Ansichten des Professors aus Freiburg dazu waren direkt und klar. „Demokratie ist manchmal anstrengend und frustrierend“, eine „Zuschauerdemokratie“ funktioniere aber nicht. Sonst verflüchtige sie sich.
Nach dem Vortrag konnte sich Ulrich Eith auf dem Sofa ausruhen und kam mit den beiden Schülersprechen Anouk Steinmann und Koren Vin Kisa ins Gespräch. Unterhaltsam gab Ulrich Eith Einblick in ehemalige Lieblingsfächer, erzählte von Lieblingslehrern, aber auch von modischen Auswüchsen seiner Schulzeit oder abenteuerlichen Ausflügen mit dem Mofa.
An vielen Stellen ließ er durchscheinen, wie viel ihm die Schulzeit bedeutet hat. Vor allem gelte das für die Musik: „Wir hatten hier alles, was man sich nur wünschen konnte. Die Schule war unheimlich gut ausgestattet. Und Musiklehrer Stoll ließ unsere Band in vollem Vertrauen auf die Möglichkeiten zurückgreifen.“ Manchmal habe erst der Hausmeister sie aus dem Haus komplementiert, weil er abschließen wollte. Auch dass Informatiklehrer Hansjörg Wahr einer Schülergruppe ermöglicht habe, bei einer Firma nach Geschäftsschluss die in der Schule ausgetüftelten Programmierungen auf größerer Serverkapazität auszuprobieren, beeindruckten ihn bis heute.
Die Erinnerung des heutigen Professors hingen auch an einzelnen Aussagen von Lehrern. Einen Satz zur Wählbarkeit von Parteien etwa habe er als Schüler strikt abgelehnt. Erst später habe er seine Meinung geändert und stehe nun hinter derselben.
Musikalisch hatte der Ehemalige bereits ganz zu Beginn gezeigt, was er kann. Nach dem ersten Auftritt der neu zusammengesetzten Jazz-Combo der Schule jazzte er gemeinsam mit Musiklehrer Matthias Jakob. Am Ende trat Ulrich Eith dann zur Freude der neuen Band und der Zuschauer gemeinsam mit den Schülern auf. Dabei bewies er, dass er nicht nur mit viel Luft in den Lungen Werbung für die Demokratie macht, sondern auch auf seinem Saxofon glänzen kann.