GaH ist „Jugend debattiert“-Schule

Seit Neuestem hängt eine weitere Tafel im Eingangsbereich des GaH. Die Schule ist offiziell in den Bundesverband „Jugend debattiert“ aufgenommen worden. „Jugend debattiert“ ist ein auf Initiative und unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten stehender Verband von Schulen, die sich zum Ziel gesetzt haben, die mündliche Ausdrucksfähigkeit der Teilnehmenden zu stärken. So ist der Unterricht in den Schulen vielfach immer noch sehr eindimensional. Die Lehrkräfte sprechen, die Schülerinnen und Schüler sind aber zur Passivität verdammt. Mit der Wettbewerbsform „Jugend debattiert“ soll diese oft sehr einseitige Unterrichtsstruktur durchbrochen werden. Das Selbstbewusstsein der Schülerinnen und Schüler wird gestärkt, indem sie in die Rolle der aktiv Teilnehmenden schlüpfen.
„Jugend debattiert“ ist entstanden, weil Unternehmen mit den Qualifikationen der Schulabgänger unzufrieden waren. Diese waren häufig nicht in der Lage, länger als 30 Sekunden am Stück ununterbrochen zu sprechen. Deswegen wurde „Jugend debattiert“ im Jahr 2001 in Frankfurt/Main erstmals an rund 30 Schulen unter dem derzeitigen Projektleiter Ansgar Kemmann erprobt. Der gemeinnützigen Hertie-Stiftung, der Robert Bosch-Stiftung, der Stiftung Mercator, der Heinz Nixdorf-Stiftung und den Kultusministerien der Länder unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten haben wir es zu verdanken, dass diese Unterrichtsmethode mit abschließendem Wettbewerb seit 2002 in der gesamten Bundesrepublik Deutschland praktiziert wird. In Südbaden wird „Jugend debattiert“ seit vielen Jahren von Henrik Fass, dem Schulleiter des privaten Gymnasiums „Am Birklehof“ in Hinterzarten organisiert.
Am Gymnasium am Hoptbühl sind Oberstudienrätin Marie-Christine Metzger und Oberstudienrat Matthias Restorff zu „Jugend debattiert“-Lehrkräften ausgebildet und tragen diese Unterrichtsmethode ins Kollegium.
Es bietet sich an, „Jugend debattiert“ im Zusammenhang mit der Aufsatzform „Freie Erörterung“ oder „Lineare Erörterung“ zu unterrichten. Mit „Jugend debattiert“ wird die mündliche Ausdrucksform der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler gefördert. Im Prinzip läuft es ab wie bei der Aufsatzform „Freie Erörterung“. Ausgehend von einer Entscheidungsfrage, die nur mit „ja“ oder „nein“ beantwortet werden kann, wie zum Beispiel: “Sollen am GaH Bücher durch Tablets ersetzt werden?“, werden zwei große Gruppen gebildet, die jeweils Argumente sammeln sollen. Aus jeder Gruppe werden zwei Schülerinnen bzw. Schüler ausgewählt („Pro1“, „Kontra1“, „Pro2“, Kontra2“), die sich eine „Redeschlacht“ liefern. Bewertet werden die Beiträge von einer Jury bestehend aus Schüler/-innen, die nach den Kriterien „Ausdrucksvermögen“, „Gesprächsfähigkeit“, „Sachkenntnis“ und „Überzeugungskraft“ die Redebeiträge beurteilen. Die beobachtende Lehrkraft fungiert sozusagen als Supervisor und reflektiert mit der Klasse die Debatte und die anschließende Bewertung. Dieses Verfahren kann innerhalb jeder Klassenstufe auch trotz Corona-Auflagen praktiziert werden. Die von Matthias Restorff geleitete AG „Jugend debattiert“ darf seit März 2020 leider nicht mehr tagen, weil Klassenstufen übergreifender Unterricht untersagt ist.
In den Klassenstufen 8-12 soll am Gymnasium am Hoptbühl in Deutsch in jeder Klasse mindestens eine kurze Unterrichtseinheit „Jugend debattiert“ unterrichtet und zwei Klassensieger für den Schulwettbewerb „Jugend debattiert“ ermittelt werden. Der Schulwettbewerb musste dieses Schuljahr ebenso wie der Regionalwettbewerb, der Landeswettbewerb und der Bundeswettbewerb abgesagt werden, da Kontakte reduziert werden sollen.
In den vergangenen Jahren qualifizierten sich die beiden Erstplatzierten vom Gymnasium am Hoptbühl aus den Klassen 7-9 und aus den Klassen 10-12 für den Regionalwettbewerb Südschwarzwald in Hinterzarten und sind in der AG Jugend debattiert besonders auf die übergeordneten Wettbewerbe vorbereitet worden. Dass dies alles im Moment nicht mehr stattfinden kann, bedauern wir sehr.
Julius Peter, Matthias Restorff